
Rückzug: freenet-Chef Spoerr streicht die Segel (Upd.)
Der vor allem bei den freenet-Großaktionären ziemlich unbeliebte Aufsichtsratschef Eckhard Spoerr streicht die Segel und verlässt das Unternehmen zum 23. Januar 2009 - auf eigenen Wunsch, heißt es.
Hamburg (ddp/cm) - Die Entscheidung gehe auf den Wunsch Spoerrs zurück, teilte freenet (www.freenet.de) am Montagabend in Hamburg mit. Der Aufsichtsrat habe einer entsprechenden Aufhebung zugestimmt. Spoerr, der freenet seit der Gründung im Jahr 1999 führte, werde dem Unternehmen für absehbare Zeit noch als Berater zur Verfügung stehen.
Das beschlossene Integrationskonzept Spoerrs werde in voller Konsequenz umgesetzt, hieß es weiter. Spoerr, der vor allem bei einigen Großaktionären zuletzt höchst umstritten war, will freenet mit seinem Rückzug zu einem ruhigeren Umfeld verhalfen: "Die freenet AG hat sich als drittgrößtes Mobilfunk-Unternehmen fest in Deutschland etabliert. Allerdings braucht das Unternehmen in der jetzigen Situation der Integration vorrangig Ruhe und Konzentration auf die Integrationsmaßnahmen und das operative Geschäft. Aufgrund des bestehenden Aktionärskreises und der wohl polarisierenden Wirkung meiner Person ist dies unter diesen Umständen nicht gegeben", so Spoerr zur Aufhebung seines Vertrages. Oberste Priorität vor persönlichen Befindlichkeiten habe das langfristige Wohl der Gesellschaft, so Spoerr weiter.
In den vergangenen Wochen war in der Branche offen darüber spekuliert worden, ob der freenet-Großaktionär Permira Spoerr zu stürzen beabsichtigt. In einem Pressebericht hatte es Anfang Dezember geheißen, bei Permira sei man "richtig sauer" über Spoerrs Verhalten und suche "mit Hochdruck" nach einem geeigneten Nachfolger.
Auf den Abgang des freenet-Vorstandschefs Eckhard Spoerr hat die Börse mit einem kräftigen Kursplus für die Papiere des Unternehmens reagiert. Bis zum Dienstagnachmittag legten die Aktien im TecDax um fast 30 Prozent auf 4,40 Euro zu. Ein Händler sagte, es sei positiv, "dass nun der Verkauf der DSL-Sparte schneller vorangetrieben werden dürfte". Spoerr habe sich zuletzt gegen einen raschen Verkauf der Sparte gestemmt und damit die Aktie belastet. Die Analysten von Sal. Oppenheim rechnen mit einem Verkaufspreis von bis zu 250 Millionen Euro.
- freenet-Chef Spoerr offenbar kurz vor der Absetzung
- freenet will rund 1000 Vollzeitstellen abbauen (Upd.)
- freenetKomplett: 1 Jahr lang Doppelflat für 19,90 Euro
- freenet will angeblich Standorte in Stuttgart und Elmshorn schließen
- Auch die Telekom schielt offenbar auf freenet DSL
- Fixmeier: Was nach der DSL-Kabelklatsche kommen soll
- Sonntagskunden bei freenet bekommen 100-Euro-Gutschrift
- Tiscali verschwindet komplett vom deutschen Markt
- freenet-Mitarbeiter stemmen sich gegen Zerschlagung
- freenet: DSL-Pakete auch ohne Schufa-Auskunft
Leserumfrage