
Kabelanbieter PrimaCom überraschend schnell verkauft
Der insolvente Kabelnetzbetreiber PrimaCom hat sein operatives Geschäft überraschend kurz nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens verkauft. Der Insolvenzverwalter teilte am Montag auch mit, inwieweit sich der Verkauf auf die Kunden auswirkt.
Berlin (ddp/red) - Insolvenzverwalter Hartwig Albers teilte am Morgen in Berlin mit, die Tochter PrimaCom Management GmbH sei von der luxemburgischen Investmentgesellschaft Medfort übernommen worden.
Details über den Kauf und den Käufer wollte ein Sprecher des Insolvenzverwalters nicht machen. Die GmbH sollte ursprünglich am Montag versteigert werden. Für die PrimaCom-Kunden - das Unternehmen ist vor allem in Ostdeutschland aktiv - hat der Verkauf keine Folgen, versicherte der Insolvenzverwalter.
Mit dem Verkauf des Kabelnetzes verbleibt die hochverschuldete PrimaCom AG nur noch als leere Hülle. Die Aktiengesellschaft werde nun wahrscheinlich liquidiert, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters.
Analysten schätzen die Gesamtverschuldung des Unternehmens auf rund 340 Millionen Euro. Die Investmentbank Rothschild hatte den Unternehmenswert kürzlich auf rund 300 Millionen Euro beziffert.
Mitte Juni hatte der Kabelanbieter angekündigt, er werde aufgrund finanzieller Probleme einen Insolvenzantrag stellen müssen. Die Kreditgeber hatten einen Kompromissvorschlag der Hauptgesellschafter zum Erhalt der PrimaCom AG zurückgewiesen. Danach wollten die Hauptgesellschafter nicht weiter verhandeln. Beim Hauptgesellschafter handelt es sich um das Investmentunternehmen Escaline beziehungsweise den Finanzinvestor Scott Lanphere. Bei einer Insolvenz der PrimaCom AG werden diese nun leer ausgehen.
Die Kreditgeber hatten bereits angekündigt, am 5. Juli mit dem Verkauf des Kabelnetzes zu beginnen, das in der PrimaCom Management GmbH angesiedelt ist. Damit wollen sie ihre Forderungen zurückbekommen.
Die PrimaCom Management GmbH teilte am Nachmittag mit, der Fortbestand von PrimaCom sei langfristig gesichert. Die erste und entscheidende Restrukturierungsphase sei jetzt erfolgreich abgeschlossen worden. Im Vorfeld sei dem Unternehmen Mitte Juni zusätzliche Liquidität in Höhe von 30 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden, gleichzeitig hätten die Kreditgeber weitere Zusagen für eine erfolgreiche Umsetzung der Restrukturierung gegeben. Das Fortbestehen sei langfristig gesichert, sagte Michael Dorn, Sprecher der Geschäftsführung der PrimaCom-Gruppe. Das Unternehmen betonte, dass es sich bei dem Käufer um eine von den Kreditgebern und den bisherigen Mehrheitsgesellschaftern unabhängige Finanz-Holding privater Investoren handele.
PrimaCom ist seit 1998 als Kabelnetzbetreiber aktiv und verfügt nach eigenen Angaben über Breitbandzugänge zu rund einer Million angeschlossenen Haushalten in Deutschland. Das Unternehmen ist in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern sowie in westdeutschen Schwerpunktregionen präsent.
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