
Gemeinsame Netznutzung: Mein und dein wird unwichtiger
Die Entscheidung der Telekom, sich ins Glasfasernetz von Netcologne einzumieten, stellt eine Zäsur dar. Künftig wird es nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, wem ein Netz gehört - das schafft Raum für neue Geschäftsmodelle.
Hamburg (red) - Die angekündigte Partnerschaft der Deutschen Telekom (www.telekom.de) mit dem Kölner Regionalnetzbetreiber NetCologne markiert den Startschuss für die Entkopplung von Telekommunikationsnetzen und Diensten in Deutschland. Das Abkommen sieht vor, dass die Deutsche Telekom für den Zugang zu ihren Endkunden erstmals die Glasfaserleitungen eines Wettbewerbers anmietet und schnelle Internetanschlüsse beiderseitig genutzt werden. Nach einer Markteinschätzung von Steria Mummert Consulting bedeutet dies einen wichtigen Impuls für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.
Brüssel setzt die TK-Branche seit geraumer Zeit unter Druck, moderne Glasfasernetze auszubauen. Mit der neuen Netzallianz kommen die beiden Unternehmen dieser Zielsetzung entgegen und verweisen auf eine Kostenersparnis, die aus der gegenseitigen Nutzung der Infrastruktur resultiert. Statt eines teuren Ausbaus eigener Netze werden die bestehenden Strukturen gemeinsam besser ausgelastet. NetCologne mietet im Gegenzug VDSL-Anschlüsse der Telekom in gemeinschaftlichen Versorgungsgebieten in Nordrhein-Westfalen.
Die Telekom hat zum ersten Mal angekündigt, sich ins Netz eines Wettbewerbers einzumieten.
(Foto/Abb.: Deutsche Telekom AG)
Den Grundstein für die neue Zusammenarbeit legte die Bundesnetzagentur. In dem von ihr ins Leben gerufenen Next Generation Access Forum (NGA) einigte sich die Behörde mit Branchenvertretern auf Vorprodukte und Leistungen sowie eine Standardisierung von Prozessen und IT-Schnittstellen. Die Übereinkunft bildet die Basis für eine mögliche Trennung von Netzen und Diensten.
"Diese Entkoppelung bedeutet ein grundlegendes Umdenken in der Telekombranche", so die Einschätzung von Peter Hascher von Steria Mummert Consulting. "Künftig wird es - wie schon jetzt in der Energiebranche - eine untergeordnete Rolle spielen, wem die Netzinfrastruktur gehört."
Das macht auch volkswirtschaftlich Sinn. Es spart Kosten, weil ein paralleler Ausbau von Netzen vermieden wird und setzt gleichzeitig Investitionsanreize. Am Markt wird sich so eine neue Dynamik entfalten. "Die Kooperationsmöglichkeiten sind äußert vielfältig und bieten sich gerade auch in branchenfremden Geschäftsfeldern an, beispielsweise mit Versorgern oder Stadtwerken", so Hascher.
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