
Debatte über Breitband-Ausbau mittels TV-Frequenzen
Dr. Tobias Schmid vom Rundfunk- und Medienverband VPRT bezweifelt, dass die DSL-Diaspora von den nicht mehr genutzten Fernseh- und Radiofrequenzen entscheidend profitieren kann. Die "Digitale Dividende" werde hierzulande überschätzt.
Im Deutschen Bundestag wurden am Freitag Anträge der Fraktionen zur Verbesserung der Breitbandversorgung im ländlichen Raum beraten. Dazu Dr. Tobias Schmid vom VPRT: "Alle Anstrengungen, die mit der Beseitigung 'weißer Flecken' in der Breitbandlandschaft auf mehr Chancengleichheit in der Informationsgesellschaft zielen, sind grundsätzlich positiv und werden auch vom VPRT unterstützt. Wir begrüßen die sachliche Auseinandersetzung der Politik mit dem Thema. Zielführend sind aus unserer Sicht dabei insbesondere die Ansätze, die mit Augenmaß darauf ausgerichtet sind, zunächst einmal die konkreten Bedarfe durch Daten- und Faktensammlungen zu evaluieren."
Schmid warnt in diesem Zusammenhang allerdings nachdrücklich davor, dem Charme des so genannten "Mobilfunkmythos" zu erliegen: Wer glaube, dass für die flächendeckende Breitbandversorgung durch die "digitale Dividende" in großem Umfang terrestrische Rundfunkfrequenzen zur Verfügung stünden, verkenne die technische Realität. So falle die von der EU-Kommission viel beschworene "digitale Dividende" zumindest in Deutschland sehr viel kleiner aus als beispielsweise in anderen europäischen Ländern und werde zudem erst in einigen Jahren konkret abschätzbar sein.
Begehrlichkeiten insbesondere aus den Reihen der Telekommunikationsunternehmen, die für einen mutmaßlichen Flächenausbau mobiler Breitbanddienste auf die Nutzung von Rundfunkfrequenzbereichen setzen, erteilt Schmid eine Absage: "Es ist zu kurz gesprungen, wenn die Versorgung mit Fernseh- und Hörfunkprogrammen durch eine technisch bisher nicht ausgereifte Lösung ersetzt wird."
Ende vergangener Woche hatten sich alternative Breitband-Anbieter und -Verbände verwundert darüber gezeigt, dass kein einziger Antrag im Bundestag die Verwendung der künftig zur Verfügung stehenden terrestrischen Rundfunkfrequenzen aufgriff, die im Zuge der Digitalisierung der Übertragung freiwerden. Der Zugewinn an freien Frequenzen sei enorm, und so ließen sich zum Beispiel breitbandige Internetzugänge über WiMAX realisieren.
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