So funktioniert Kabelfernsehen
Beim Kabelfernsehen werden Bild- und Tonsignale in Haushalte übermittelt - und zwar dank eines Breitbandkabels. Wurde das Fernsehkabel früher lediglich für die Übertragung von TV- und Audio-Signalen genutzt, so bauen die großen Kabelnetzbetreiber zunehmend ihre Netze mit einem Rückkanal aus, der auch das Senden von Daten ermöglicht. So wird schnelles Internet (DSL über Kabel) und Telefonieren über das Fernsehkabel möglich.
Die großen Kabelnetzbetreiber
Es gibt in der Bundesrepublik Deutschland drei große Kabelnetzbetreiber: Kabel BW ist in Baden-Württemberg aktiv, Unitymedia in Hessen und Nordrhein-Westfalen und Kabel Deutschland in 13 anderen Bundesländern. Ein Kabelanschluss ist nicht in allen Teilen Deutschlands verfügbar; hier offerieren aber alle Anbieter Verfügbarkeitsabfragen. Noch eingeschränkter ist die Produktverfügbarkeit bei einem internetfähigen Kabelanschluss, da dafür - wie bereits erwähnt - das Kabelnetz dahingehend modernisiert werden muss, als dass es nicht mehr nur Daten empfangen sondern vielmehr auch senden kann.
Empfangstechnik
Beim Kabelfernsehen wird ein Antennenkabel an das Fernsehgerät beziehungsweise an den Videorekorder oder Digitalreceiver (DVB-C-Norm) angeschlossen und mit der Kabelanschlussdose verbunden. Im Gegensatz zum Satellitenfernsehen sind dabei Grund- bzw. Anschluss- sowie Abonnement-Gebühren zu zahlen.
Analoges und digitales Kabelfernsehen
Hinsichtlich der Übertragungstechnik beim Kabelfernsehen unterscheidet man zwischen analogem und digitalem Kabelfernsehen. Welche Form der Übertragung wo angeboten wird, ist abhängig vom Anbieter. Ganz klar aber ist, dass die digitale Variante auf dem Vormarsch ist - sie bietet mehr und ist den meisten Fällen mittlerweile genauso teuer oder sogar günstiger als analoges Kabelfernsehen.
Das analoge Kabelfernsehen unterscheidet sich nicht sonderlich von dem analogen Fernsehempfang über Antenne, wohl aber verfügt es über einen größeren Frequenzbereich für die so genannten Sonderkanäle. Hinsichtlich der Fernsehgeräte besteht kein Unterschied. Wer digitales Kabelfernsehen empfangen möchte, benötigt einen geeigneten, im Handel erhältlichen DVB-C-Receiver (auch Set-Top-Box, STB, Digitalreceiver oder Kabelbox genannt). Damit ist auch digitaler Radioempfang möglich.
Die Bildqualität beim Wechsel von analog zu digital ist nur geringfügig besser - allerdings besitzt man zehnmal so viele Programme!
Übrigens: Die überholte d-Box, die vielen Verbrauchern noch namentlich bekannt ist, wurde durch die Set-Top-Box ersetzt. Auch über einen PC mit TV-Karte für DVB-C kann man digitales Fernsehen empfangen. Verschlüsselte Programme - etwa Sport (Bundesliga-Fußball), aktuelle Spielfilme, Spartensender oder Erotik-Angebote - müssen über sogenannte Smartcards (SC) kostenpflichtig freigeschaltet werden, die zur Set-Top-Box (STB) und den CI-Interfaces passen. Digitale Videorekorder erfordern extra Smartcards sowie CI-Interfaces. Digitale Fernsehgeräte wiederum benötigen keine Set-Top-Box.
Hochauflösendes Fernsehen: HDTV
Hochauflösendes Fernsehen - HDTV abgekürzt - bedient (auch verschlüsselt) analoge wie digitale Übertragung und nutzt eine größere Bandbreite als herkömmliches Fernsehen. Kabelfernsehen wird digital übertragen, da dies einen geringeren Bandbreitenbedarf voraussetzt als bei einer anlogen Übertragung.
Kabelfernsehen mit Internet und Telefon: Triple Play
Moderne Fernsehkabelnetze sind bidirektional ausgebaut, verfügen also über einen Rückkanal und können gleichermaßen Daten empfangen wie senden. Das ermöglicht Mehrwerte und interaktive Dienste, etwa einen Breitband-Internetzugang mittels Kabelmodem oder Telefonieren über das Fernsehkabel. Schnelles Internet ist mit dem Protokoll DOCSIS nutzbar - mit Downloadmöglichkeiten von bis zu satten 30 MBit/s für Privatverbraucher! Fernsehen bzw. Radio, Internet und Telefon sind kombiniert und kommen aus einer Dose - daher der Name "Triple Play".
Telefonieren mit SIP über den Kabelanschluss via TCP/IP
Beim rückkanalfähigen TV-Kabelanschluss arbeiten die Telefonanschlüsse und IP-Adapter für das Telefon mit VoIP (Voice over IP) nach SIP-Standard. Telefonadapter werden an Internet-Kabelmodems angeschlossen.
Die Kopfstation leitet über Kabelmodem Daten zur IP-Telefonanlage weiter - ins Festnetz oder zu anderen Telefongesellschaften, wobei der Teilnehmer über die MAC-Adresse des IP-Adapters identifiziert wird. Durch die ausschließliche Verwendung des Kabelmediums fehlen Paketverluste komplett - anders als bei SIP-Gate üblich. Bei Datendiensten und bei der Faxnutzung kann es aber gelegentlich zu Störungen kommen. Auch Skype und weitere SIP-Dienste sind möglich. Der IP-Datenstrom des VoIP muss sich dabei allerdings die Bandbreite des Internetanschlusses mit allen Nutzern teilen - da kann es durchaus zu Paketverlusten und also Sprachaussetzern kommen.
Kabelfernsehen in Deutschland
49 Prozent der Zuschauer nutzen Kabelfernsehen über die bereits genannten Anbieter Unitymedia, Kabel BW und Kabel Deutschland sowie über Tele Columbus und Primacom. Die Landesmedienanstalten legen die einzuspeisenden Programme fest, etwa lokale TV-Angebote. Das digitale Angebot von ARD und ZDF sowie der so genannte Hörfunktransponder wird via DVB-C eingespeist, aber derzeit nicht von allen Kabelnetzbetreibern durchgeführt. Bei Kabel Deutschland können Altkunden weiterhin analog empfangen, Neukunden kaufen digitalen Kabelempfang.
Die Geschichte des Kabelfernsehens
1984 war die offizielle Geburtsstunde von Kabel- und Privatfernsehen. Mit Umrüstung auf Glasfaserkabel wurden die örtlichen Empfangsstellen zurückgebaut; die Deutsche Telekom wurde Besitzer der Netze und verkaufte später an die einzelnen Kabelanbieter. Bis Ende der 1990er fehlte flächendeckender Fernsehempfang. Seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bietet das Kabelnetz im Pay-TV HDTV-Standard.
Wohnungsverwaltungen und Kabelnetzbetreiber
Mit Einführung des Kabelfernsehens entstanden Verträge zwischen Kabelnetzbetreibern und Vermietern, obwohl die EU-Verfassung verbietet, Mietern Kabelanschlüsse "aufzuzwingen". Viele entscheiden sich gern individuell für DVB-S.
Die großen Kabelanbieter
Die großen deutschen Kabelanbieter wollen DSL-Providern Kunden abjagen und setzen dabei auf einen großen Pluspunkt: Internet, Telefon, TV und Radio aus einer Hand - und zwar übers Fernsehkabel. Welcher der führenden Anbieter ist wo tätig?
Kabel Deutschland
Kabel Deutschland ist der größe Anbieter und in Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen präsent - allerdings nicht flächendeckend. Unser Tariftipp für Internetsurfer: das Comfort-Paket.
Kabel BW
Der Name sagt's schon: Kabel BW bietet einen Kabelanschluss für Baden-Württemberg an, doch auch hier sind nicht alle Angebote flächendeckend verfügbar. Das Unternehmen aus Heidelberg schnürte als erster Anbieter ein Triple Play-Paket aus TV, Internet und Telefon. Tipp: CleverKabel mit bis zu 100 Mbit/s rasend schnellem Internet!
Unitymedia
In Nordrhein-Westfalen und Hessen ist Unitymedia aktiv, jedoch nicht überall verfügbar. Das Unternehmen ist im Mai 2007 aus den Kabelanbietern ish und iesy hervorgegangen. Tariftipp: Das 3play Angebot mit Doppel-Flat für Telefon und Internet und vielen TV-Programmen.